Fundament & Konzept
Phase 1Wovon dein Buch handelt. In diesem Workshop wird aus deiner Idee ein klares Buch, mit Thema, Leser, Genre und einer geschärften Kernbotschaft.
Von der Idee zum Thema
Eine Idee ist noch kein Thema, und dieser Unterschied entscheidet oft darüber, ob ein Buch entsteht oder im Kopf steckenbleibt.
Eine Idee ist ein Funke, etwa der Gedanke, über das Leben deiner Großmutter zu schreiben oder über einen achtsamen Umgang mit Geld. Ein Thema ist dieser Funke geschärft zu etwas, das eine Leserin sofort greifen kann und das ein ganzes Buch trägt. Viele Menschen haben eine Idee und geraten trotzdem ins Straucheln, weil sie diesen Schritt zum klaren Thema nie gehen und sich im Ungefähren verlieren.
Der Weg von der Idee zum Thema führt über zwei Fragen. Wovon handelt dein Buch im Kern wirklich, und welches Versprechen gibt es deiner Leserin. Wenn du diese beiden Fragen beantworten kannst, hast du aus einem vagen Wunsch ein tragfähiges Thema gemacht.
Am Anfang darfst du sammeln, ohne zu bewerten. Trag alles zusammen, was dir in den Sinn kommt, und wähle danach in Ruhe das aus, was dich am meisten zieht und was genug Kraft für viele Seiten hat.
Sammle in einem Notizbuch alle Ideen zu deinem Buch, ganz ohne zu urteilen. Danach kreist du die eine ein, die dich nicht loslässt.
- Was ist die eine Idee, die dich am meisten zieht?
- Wenn du sie in einem einzigen Satz sagen müsstest, worum geht es?
- Was ist der Kern, der bleibt, wenn du alles Beiwerk weglässt?
Positionierung
Es gibt viele Bücher, und die Positionierung ist das, was deins zu deinem macht.
Positionierung meint den besonderen Blickwinkel, die Stimme oder das Versprechen, das kein anderes Buch in genau dieser Kombination hat. Es geht dabei nicht darum, etwas völlig Neues zu erfinden, denn das gelingt nur selten, sondern um deine eigene Mischung aus Thema, Perspektive, Erfahrung und Ton. Genau diese Mischung gibt es nur einmal, weil es dich nur einmal gibt.
Die stärkste Frage dazu lautet, was nur du zu diesem Thema sagen kannst. Deine Erfahrung, deine Haltung und dein Blick auf die Welt sind der Stoff, aus dem deine Position entsteht. Genauso wichtig ist zu wissen, was dein Buch bewusst nicht ist, denn eine klare Grenze hält dein Buch fokussiert und bewahrt dich davor, alles auf einmal zu wollen.
Schreib auf, was nur du zu diesem Thema sagen kannst, aus deiner Erfahrung, deiner Sicht und deiner Stimme. Genau das ist deine Position.
- Was unterscheidet dein Buch von anderen zum selben Thema?
- Welche Erfahrung oder Haltung bringst nur du mit?
- Was ist dein Buch bewusst nicht?
Deine Zielgruppe
Wer für alle schreibt, schreibt am Ende für niemanden.
Zu wissen, für wen du schreibst, prägt deinen Ton, deine Beispiele und die Tiefe, in die du gehst. Am besten stellst du dir eine einzige, konkrete Leserin vor, fast wie eine echte Person mit Namen, Alltag und Sehnsucht. Du schreibst dann nicht für eine anonyme Masse, sondern für diesen einen Menschen, und genau das macht dein Buch nahbar und wahr.
Bei einem Sachbuch ist deine Leserin oft jemand mit einem bestimmten Wunsch oder Problem, das dein Buch beantwortet. Bei einem Roman geht es eher darum, wer diese Art von Geschichte liebt, also die Menschen, die dein Genre und dessen Gefühl suchen. In beiden Fällen hilft es, diesen Menschen so klar vor Augen zu haben, dass du beim Schreiben spürst, ob ein Satz ihn erreicht.
Stell dir eine einzige Leserin oder einen einzigen Leser vor, ganz konkret, mit Namen, Alltag und Sehnsucht. Für diese eine Person schreibst du.
- Für wen ist dein Buch, ganz konkret?
- Was beschäftigt diese Person, bevor sie dein Buch liest?
- Was soll sich für sie ändern, nachdem sie es gelesen hat?
Genre und Buchart
Dein Genre ist ein Versprechen an deine Leser und zugleich ein Kompass für dich.
Das Genre sagt deinen Lesern, was sie erwartet, und es leitet fast alle deine späteren Entscheidungen, vom Umfang über die Struktur bis zum Ton, zum Cover und zu der Frage, wo dein Buch später verkauft wird. Ob Roman, Sachbuch, Ratgeber, Autobiografie, Kinderbuch oder Lyrik, jede Buchart hat ihre eigene Sprache. Innerhalb der Belletristik gibt es zusätzlich Untergenres wie Liebesroman, Krimi oder Fantasy, und jedes bringt eigene Erwartungen der Leser mit.
Dich ehrlich einzuordnen macht dir alles Weitere leichter, auch die Veröffentlichung und das spätere Sichtbarwerden. Du darfst Genres auch mischen, solltest aber wissen, in welchem Regal dein Buch in erster Linie steht. Und du darfst die Erwartungen deines Genres bewusst erfüllen oder bewusst brechen, solange du weißt, was du tust.
Geh in eine Buchhandlung oder schau dich online um und finde das Regal, in dem dein Buch stehen würde. Genau da ordnest du dich ein.
- In welchem Genre und welcher Buchart lebt dein Buch?
- Welche Erwartungen haben Leser dieses Genres, und willst du sie erfüllen oder bewusst brechen?
- Passt die Buchart zu deinem Ziel aus Phase 0?
Die Form eines Buches
Ein Buch hat einen Bauplan, und wenn du ihn kennst, planst du leichter.
Zu einem Buch gehören mehr Teile, als man auf den ersten Blick denkt. Da sind das Cover und die Titelei mit Titelseite und Impressum, oft ein Vorwort, dann die eigentlichen Kapitel, und je nach Buch ein Anhang, ein Register oder eine Danksagung. Bei einem Sachbuch führt meist eine Einleitung in das Thema, danach bauen die Kapitel eine Linie auf, und ein Schluss rundet alles ab. Bei einem Roman gibt die Abfolge der Kapitel und manchmal der Akte die Form vor.
Wenn du diese Anatomie kennst, vergisst du nichts Wichtiges, auch nicht das Impressum, das später sogar rechtlich vorgeschrieben ist und das wir in Phase 6 genauer anschauen. Genauso bekommst du ein Gefühl dafür, wie lang ein Kapitel ungefähr ist und wie viele Kapitel dein Buch tragen könnte.
Nimm ein Buch aus deinem Regal, das du magst, und blättere es einmal von vorne bis hinten durch, nur um zu sehen, aus welchen Teilen es besteht.
- Aus welchen Teilen soll dein Buch bestehen?
- Welche Bestandteile sind für dein Genre üblich?
- Was brauchst du unbedingt, und was kannst du weglassen?
Deine Buchidee schärfen
Jetzt bringst du alles auf den Punkt, in einer Kernbotschaft und einem roten Faden.
Die Kernbotschaft ist der eine Satz, der dein ganzes Buch zusammenhält. Bei einem Sachbuch ist es die zentrale Botschaft, die deine Leserin am Ende mitnehmen soll. Bei einem Roman ist es die Prämisse, also die zentrale Frage oder der zentrale Konflikt, um den sich alles dreht. Dieser eine Satz ist dein Kompass für die gesamte Schreibphase, und er hilft dir in jedem Moment zu entscheiden, was in dein Buch gehört und was nicht.
Der rote Faden ist die Verbindung, die jedes Kapitel mit dieser Kernbotschaft verknüpft. Alles, was den roten Faden stärkt, darf bleiben, und alles, was ihn nur ausfranst, darf gehen. Wenn dein Satz noch nicht perfekt sitzt, ist das völlig normal, denn du wirst ihn im Lauf des Schreibens weiter schärfen, bis er wirklich trägt.
Bring dein Buch in einen einzigen Satz, der Kern und Versprechen zugleich ist. Falls er noch wackelt, ist das in Ordnung, du feilst ihn später weiter.
- Was ist die eine Kernbotschaft oder Prämisse deines Buches?
- Welcher rote Faden verbindet alle Kapitel?
- Was gehört nicht dazu und darf weg?
Konzept und Exposé
Ein Konzept ist der geschriebene Plan deines Buches, und es hilft dir doppelt.
Im Exposé hältst du fest, was dein Buch ist, für wen es gedacht ist, wie es aufgebaut ist, welchen Blickwinkel es hat und warum es gebraucht wird. Du schreibst es zuerst für dich selbst, damit du eine Landkarte hast, bevor du dich in Monate des Schreibens begibst. Und falls du später einen Verlag ansprechen möchtest, ist genau dieses Exposé die Grundlage, auf der er entscheidet.
Zu einem Exposé gehören meist ein Arbeitstitel, dein Thema und deine Position, deine Leserin, eine grobe Kapitelübersicht, eine kleine Leseprobe und ein Blick auf vergleichbare Bücher. Selbst wenn du im Selfpublishing bleibst, lohnt sich diese eine Seite sehr, weil sie dein Denken klärt und dir viel Umweg erspart. Dein Konzept darf mit der Zeit wachsen und sich verändern.
Schreib eine erste Seite über dein Buch, als würdest du es einer Freundin erklären, die es verlegen soll, was es ist, für wen und warum es gebraucht wird.
- Wie lautet dein Arbeitstitel und dein Pitch in einem Satz?
- Welche grobe Kapitelstruktur siehst du schon?
- Für welchen Weg brauchst du das Exposé, nur für dich oder auch für einen Verlag?
Markt- und Titelrecherche
Ein Blick auf das, was schon existiert, schärft deine eigene Position.
Vergleichbare Bücher zeigen dir die Landschaft, in der dein Buch erscheint. Du siehst, was es schon gibt, wie sich deins davon unterscheidet und wo genau deine Lücke liegt. Das soll dich nicht entmutigen, im Gegenteil, es hilft dir, deinen eigenen Platz klarer zu sehen und dein Buch selbstbewusst dort hinzustellen, wo es hingehört.
Gleichzeitig beginnst du, über deinen Titel nachzudenken. Ein guter Titel ist auffindbar, passend und verlockend, und bei einem Sachbuch trägt oft ein Untertitel das eigentliche Versprechen. Schau dir an, wie ähnliche Bücher heißen, und sammle erste Arbeitstitel. Das zahlt später direkt darauf ein, dass dein Buch gefunden wird, ein Thema, das uns in Phase 8 noch ausführlich beschäftigt.
Such dir drei bis fünf Bücher, die deinem ähnlich sind, und schreib zu jedem in einem Satz, was deins anders macht. So findest du deine Lücke.
- Welche Vergleichstitel gibt es, und wo ist deine Lücke?
- Welche Arbeitstitel kommen dir in den Sinn?
- Was verspricht ein guter Titel deinen Lesern?
Umfang und Zeitplan
Zum Schluss dieser Phase wird aus dem großen Ganzen ein Weg mit Etappen.
Es hilft sehr, früh eine ungefähre Vorstellung vom Umfang zu haben. Je nach Genre ist eine gewisse Länge üblich, ein Ratgeber liegt oft bei einigen Hundert Buchseiten, ein Roman schwankt stärker, und ein Kinderbuch ist deutlich kürzer. Aus dieser groben Größe leitest du ab, wie viele Kapitel du ungefähr brauchst und wie du sie auf die Wochen bis zu deinem Zieltermin verteilst.
Genau hier verbindet sich diese Phase mit deinem Fahrplan aus Phase 0. Wenn du den Berg in Kapitel und in ein realistisches Wochenpensum zerlegst, wird aus einem riesigen Vorhaben eine Reihe machbarer Schritte. Bleib dabei ehrlich und freundlich zu dir, denn ein Plan, den du wirklich einhalten kannst, ist mehr wert als ein ehrgeiziger Plan, der dich nach zwei Wochen entmutigt.
Schätze grob, wie viele Kapitel dein Buch hat, und verteile sie auf die Wochen bis zu deinem Zieltermin. So wird aus dem Berg ein Weg mit Etappen.
Deine Kapitelstruktur und deinen Umfang hältst du in Mein Buch fest, dein Wochenpensum in deinen Zielen.
- Wie umfangreich wird dein Buch ungefähr, in Kapiteln oder Seiten?
- Wie viele Kapitel schaffst du realistisch pro Monat?
- Passt dieser Plan zu deinem Zieltermin aus Phase 0?
Dein Fundament steht
Aus einer Idee ist ein klares Buch geworden. Du hast dein Thema gefunden, deine Position bestimmt, deine Leserin vor Augen, dein Genre und deine Buchform geklärt, deine Kernbotschaft geschärft, ein erstes Konzept geschrieben, den Markt angeschaut und einen realistischen Umfang mit Zeitplan festgelegt.
In Phase 2 beginnst du mit der Rohfassung, mit Struktur, Schreibroutine und allem, was dich beim Dranbleiben unterstützt.
