Überarbeiten & Feinschliff
Phase 3Aus deiner Rohfassung wird ein rundes Buch. In diesem Workshop überarbeitest du in Schichten, holst Feedback ein und findest Titel, Klappentext und einen Anfang, der sofort hineinzieht.
Abstand gewinnen
Nach der Rohfassung ist die klügste erste Handlung, gar nichts zu tun.
Wenn du direkt nach dem letzten Satz mit dem Überarbeiten beginnst, siehst du noch immer das, was du sagen wolltest, und nicht das, was wirklich auf dem Papier steht. Erst mit ein paar Tagen oder Wochen Abstand liest du dein Buch mit frischen Augen, fast wie eine fremde Leserin, und genau dieser Blick zeigt dir, was trägt und was noch nicht.
Widersteh also dem Drang, sofort loszubessern. Leg die Rohfassung bewusst zur Seite und mach in der Zwischenzeit etwas ganz anderes. Wenn du sie danach wieder aufschlägst, wirst du dich über manche Stelle wundern, im Guten wie im weniger Guten, und das ist genau der Sinn dieser Pause.
Leg deine Rohfassung bewusst für ein paar Tage oder Wochen weg und mach etwas ganz anderes. Danach liest du sie wie ein fremdes Buch.
- Wie lange Abstand brauchst du, um dein Buch mit frischen Augen zu sehen?
- Was fällt dir beim ersten Wiederlesen auf?
- Wo hast du anders geschrieben, als du dachtest?
Mehrstufige Selbstüberarbeitung
Alles auf einmal zu verbessern überfordert, in Schichten gelingt es.
Am besten gehst du in mehreren Durchgängen vor. Im ersten schaust du nur auf das große Bild, also auf Inhalt und Struktur, ob der Bogen trägt, ob die Kapitel in der richtigen Reihenfolge stehen und ob deine Kernbotschaft überall durchscheint. Erst wenn das steht, kümmerst du dich im zweiten Durchgang um den Sprachfluss, um Sätze, Übergänge und Klarheit, und darum, alles Überflüssige zu streichen.
Ganz zum Schluss kommt die Oberfläche, also Rechtschreibung und Grammatik. Diese drei Ebenen getrennt zu bearbeiten ist viel wirksamer, als alles gleichzeitig zu wollen, denn sonst verlierst du dich in Kommas, während oben noch ein ganzes Kapitel wackelt.
Geh in drei Durchgängen vor, erst Inhalt und Struktur, dann Sprachfluss, ganz zum Schluss Rechtschreibung. Alles auf einmal überfordert nur.
- Stimmt der große Aufbau, oder muss etwas umgestellt werden?
- Wo holpert der Fluss?
- Was kannst du streichen, ohne dass etwas fehlt?
Testleser und Feedback
Du bist deinem Buch zu nah, um alles selbst zu sehen.
Testleser zeigen dir, wie dein Buch wirklich ankommt. Wähle Menschen, die zu deiner Zielgruppe passen und die ehrlich sind, nicht nur nett. Statt zu fragen, ob es ihnen gefällt, stellst du konkrete Fragen, zum Beispiel, an welcher Stelle sie sich gelangweilt haben, was unklar war und wo sie beinahe aufgehört hätten zu lesen.
Feedback ist dabei ein Hinweis und kein Urteil, und du entscheidest, was du davon annimmst. Am meisten sagen dir Muster, also die Dinge, die mehrere unabhängig voneinander nennen. Einzelne Meinungen darfst du getrost auch einmal stehen lassen, ohne dein Buch zu verbiegen.
Such dir zwei oder drei Testleser, die zu deiner Zielgruppe passen, und stell ihnen konkrete Fragen statt nur zu fragen, ob es ihnen gefällt.
- Wen möchtest du als Testleser gewinnen?
- Welche Fragen sind dir am wichtigsten?
- Wie gehst du mit Kritik um, ohne dich zu verlieren?
Professionelles Lektorat
Ein Lektorat ist für viele Bücher der größte einzelne Schritt in Richtung Qualität.
Anders als das Korrektorat schaut ein Lektorat auf Inhalt, Struktur, Stil und die innere Stimmigkeit deines Buches, nicht nur auf Tippfehler. Eine gute Lektorin liest mit, denkt mit und zeigt dir liebevoll, wo dein Buch noch stärker werden kann. Der richtige Zeitpunkt ist nach deiner eigenen Überarbeitung und vor der Veröffentlichung.
Bei der Auswahl helfen dir eine Probe-Bearbeitung von ein paar Seiten, Referenzen und das Gefühl, ob ihr zusammenpasst. Ein Lektorat kostet Geld, und genau hier ist die Farm als begleitende Manufaktur an deiner Seite. Sich einen professionellen Blick zu holen ist übrigens kein Zeichen von Schwäche, sondern von Sorgfalt und Respekt vor deinen Lesern.
Hol dir eine Probe-Bearbeitung von ein paar Seiten bei einer Lektorin, bevor du dich entscheidest. So merkst du, ob ihr zusammenpasst.
Termine für Testleser, Lektorat und Korrektorat legst du dir in die Aufgaben und behältst sie im Kalender im Blick.
- Was erwartest du von einem Lektorat?
- Welche Stellen deines Buches machen dir am meisten Sorgen?
- Welches Budget ist realistisch für dich?
Korrektorat
Der letzte sprachliche Schliff sorgt dafür, dass niemand über Fehler stolpert.
Das Korrektorat kümmert sich um Rechtschreibung, Grammatik, Zeichensetzung und Tippfehler. Es kommt ganz zum Schluss, wenn sich am Inhalt wirklich nichts mehr ändert, denn jede spätere Änderung bringt neue Fehler mit sich. Deshalb lohnt es sich nicht, zu früh zu korrigieren.
Am besten übernimmt das Korrektorat jemand mit frischen Augen und nicht du selbst, weil dein Kopf beim eigenen Text vieles automatisch überliest und ergänzt. Selbst geübte Autorinnen brauchen diesen Schritt, denn Leser stolpern über jeden einzelnen Tippfehler und verlieren dabei ein Stück Vertrauen.
Plane das Korrektorat ganz zum Schluss ein, wenn sich am Inhalt nichts mehr ändert. Vorher lohnt es sich nicht.
- Wer übernimmt das Korrektorat, du selbst oder jemand mit frischen Augen?
- Wann im Ablauf ist der richtige Zeitpunkt?
- Wie stellst du sicher, dass nichts übersehen wird?
Titel und Untertitel
Der Titel ist das Erste, dem eine Leserin begegnet, und ein starker Hebel für den Verkauf.
Ein guter Titel passt zum Kern und zum Versprechen deines Buches, er ist auffindbar und macht neugierig. Bei einem Sachbuch trägt oft der Untertitel das eigentliche Versprechen und die wichtigen Suchbegriffe. Der Arbeitstitel aus Phase 1 darf jetzt zu deinem endgültigen Titel reifen.
Sammle ruhig viele Ideen, ohne sie sofort zu bewerten, und teste die besten an deiner Zielgruppe. Prüfe außerdem, ob dein Wunschtitel noch frei ist und nicht schon von einem bekannten Buch besetzt wird. Wie dein Buch später gefunden wird, schauen wir uns in Phase 8 noch genauer an.
Sammle zwanzig Titelideen, ohne zu urteilen, und lass danach deine Testleser sagen, welcher sie sofort neugierig macht.
Deinen Titel und Untertitel hinterlegst du in Mein Buch, dort wächst dein Buch als Ganzes zusammen.
- Welcher Titel passt zu Kern und Versprechen deines Buches?
- Ist er auffindbar und noch frei?
- Was sagt dein Untertitel, falls du einen brauchst?
Klappentext
Der Klappentext ist nach dem Cover dein zweitwichtigster Verkaufstext.
Ein guter Klappentext fasst nicht zusammen, was passiert, sondern macht Lust, dein Buch zu lesen. Bei einem Roman deutest du den Konflikt und das Versprechen an, ohne zu viel zu verraten. Bei einem Sachbuch benennst du das Problem deiner Leserin und dein Versprechen, es zu lösen. Kurz, klar und auf den Nutzen gerichtet wirkt fast immer am stärksten.
Rechne damit, dass du deinen Klappentext viele Male umschreibst, bis er sitzt, denn auf wenigen Zeilen entscheidet sich oft, ob jemand dein Buch mitnimmt oder wieder hinlegt. Kürzen ist dabei meistens die bessere Richtung.
Schreib deinen Klappentext so, dass er nicht erzählt, was passiert, sondern Lust macht weiterzulesen. Kürzen ist hier fast immer besser.
Auch deinen fertigen Klappentext legst du in Mein Buch ab.
- Welches Versprechen oder welchen Sog transportiert dein Klappentext?
- Sprichst du deine Leserin direkt an?
- Was kannst du noch streichen?
Buchanfang und Leseprobe
Die ersten Seiten entscheiden, ob jemand weiterliest und dein Buch mitnimmt.
Fast jede Leserin liest zuerst in den Anfang hinein, und genau dort fällt die Entscheidung. Deshalb verdienen dein erster Satz, deine erste Seite und dein erstes Kapitel besondere Aufmerksamkeit. Bei einem Sachbuch triffst du am besten schnell den Nerv deiner Leserin, indem du ihr Problem und dein Versprechen früh sichtbar machst.
Poliere deinen Anfang deshalb ruhig etwas gründlicher als den Rest, denn er ist dein Schaufenster und zugleich oft die kostenlose Leseprobe, die online zu sehen ist. Wenn der Anfang trägt, verzeiht man dir unterwegs auch die eine oder andere schwächere Stelle.
Nimm deine erste Seite und feile so lange daran, bis man nach dem ersten Absatz unbedingt weiterlesen will. Sie ist dein Schaufenster.
- Zieht dein Anfang sofort hinein?
- Was verspricht deine erste Seite?
- Wo würde eine Leserin aussteigen, und wie hältst du sie?
Dein Buch ist rund geworden
Aus deiner Rohfassung ist ein fertiges Buch geworden. Du hast Abstand gewonnen, in Schichten überarbeitet, Feedback eingeholt, über Lektorat und Korrektorat entschieden, deinen Titel und Klappentext gefunden und deinen Anfang poliert.
In Phase 4 bekommt dein Buch Gesicht und Form, von Cover über Satz bis zu den Formaten und der nachhaltigen Produktion.
